Wrack

Wrack Norderney

Das Wrack am Ostende - Bunter alter Clown

(Interessieren sich für die Geschichte der Wracks an der Nordsee ? Dann schauen Sie bitte auch hier:)

Endstation Norderney hieß es knapp acht Jahre darauf auch für den letzten ostfriesischen Schillsauger “Capella”. Das ausgeweidete Wrack liegt seit seiner Strandung fest in einem Sandbett an der Ostspitze und ist seither fast so etwas wie ein Wahrzeichen geworden. Es fand seinen letzten Liegeplatz im Frühjahr 1968 bei der Rettungsaktion für ein anderes Strandungsopfer. In den Weihnachtstagen des Jahres 1967 war der Heringslogger “Ministerialrat Streil” auf dem Weg von Glückstadt nach Emden auf der Othello-Plate fest gekommen. Diese trägt ihren Namen wiederum nach einem dort im 19. Jahrhundert gescheiterten Segler. Die Notsignale des Loggers wurden auf der Insel Baltrum bemerkt. Dort war damals aber keine Rettungsstation, und das Norderneyer Boot war gerade in der Werft. Deswegen sprang der Langeooger Rettungskreuzer ein und kam der Besatzung, deren Schiff in starkem Sturm leck zu schlagen drohte, in höchster Not zu Hilfe. Mit Hilfe des Sprungnetzes gelang es, alle Männer wohlbehalten zu übernehmen. Der Havarist selbst trieb weiter auf die Sandbank hinauf. Mit der Hoffnung auf eine gute Bergungsprämie machte sich im Januar 1968 die Crew des Muschelbaggers “Capella” aus Bensersiel daran, dem auf dem äußersten Zipfel Norderneys festsitzenden Logger einen Kanal ins tiefere Wasser auszuheben. Doch an dem Unternehmen ging etwas schief – auf einmal war den Bergern selbst der Weg in die Freiheit verlegt: Die Strömung hatte die Rinne, in der sich das Schiff voran arbeitete, zugeschüttet. Zunächst bemerkte niemand das Malheur – auf Baltrum wähnte man den Bagger bei der Erntearbeit auf den Muschelbänken. Ein Nordoststurm besiegelte das Schicksal der “Capella” – hilflos trieb sie über Nacht so weit auf den Sand, dass sie nach Ablaufen des Wassers vollkommen auf dem Trockenen saß. Kapitän und Maschinist, denen der Proviant mittlerweile ausgegangen war, machten sich zu Fuß auf den Weg zum Norderneyer Leuchtturm, wo sie als erstes ihre knurrenden Mägen füllten. Starke Schlepper rückten an und befreiten im März 1968 den weiter seewärts liegenden Heringslogger. Die “Capella” aber saß hoffnungslos fest. Sie blieb weitab vom rettenden Fahrwasser in einer Wasserkuhle liegen und sackte über die Jahre schicksalsergeben zur Seite.
Für ein Wrack präsentiert der als Bergungsschiff so glücklose Schillsauger dabei bis in heutige Zeit ein verblüffend buntes Farbkleid. Touristen haben es sich in den vergangenen Jahren zum Hobby gemacht, schwer bepackt mit Farbeimern über die Dünen hinweg zum rostigen Rumpf auf dem Vorstrand zu wandern und sich auf dem mürben Stahl künstlerisch auszutoben. So präsentiert sich die “Capella” jetzt wie ein alter Clown – erkennbar traurig und verfallen, aber stets grell geschminkt.

 
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